Ligacup (1/8-Final)

Das wehmütige Ende des Elgger Höhenflugs – ein Spielbericht

Gross stand die Enttäuschung den Spielern des UHC Elgg ins Gesicht geschrieben. So haarscharf war man am Einzug in das Viertelfinale gescheitert, das schmerzte doch ungeheuer. Da eine tröstende Umarmung des bitter weinenden Torhüters M. Mörgeli, hier aufmunternde Worte zuhanden des betrübten Verteidigers D. Ott. Man(n) trottete halt so auf dem Spielfeld umher. Es schien, als wüssten die Herren nicht wirklich wohin denn nun mit all den zahlreichen Gefühlen. Und nachdem die Richtung zu stimmen schien – das Heimteam liess sich mit einer Welle feiern – drückte allenthalben doch die leise Erkenntnis durch: Dieses Team ist zu ehrgeizig, zu entschlossen und gleichermassen talentiert, als dass man sich an einer knappen 14:17 Niederlage gegen den haushohen Favoriten hätte ergötzen können. Frustration pur. Aber wie nur der unmittelbare Sport(-moment) den adoleszenten Herren derartige Emotionen entlocken kann und auch die kühnste Äschli-Nacht irgendwann ihr jähes Ende findet, überwog dank wohlgesinnten Matchanalysen, Szene- und Zwiegesprächen, kollegialen sowie elterlichen Rückmeldungen binnen kurzem der Stolz über das Gezeigte.

Was wurde denn gezeigt?

Pünktlich um 19.00 Uhr pfiff der Elite-Schiedsrichter R. Senn die Achtelfinal-Partie zwischen der Heimmannschaft und dem amtierenden Titelverteidiger Blau-Gelb Cazis an. Auf dem Unihockey-Kleinfeld messen sich jeweils drei gegen drei Feldspieler inklusive Torhüter über drei Drittel à 20 Minuten. Während das gegnerische Ensemble gleich fünf ehemalige Nationalmannschaftsspieler zu Tage förderte, konnten die Eulachtaler zumindest mit einer Handvoll Kaderspielern aufwarten, welche in der nahen Grossstadt mehrere Leistungssportstufen durchliefen. Einzig der aktuelle Spielertrainer D. Langenegger schaffte dabei den Durchbruch auf höchster Ebene. Wie würden sich aber die vereinsintern ausgebildeten, 17- respektive 18-jährigen N. Henggeler und M. Beuggert gegen die selbsternannte Bündner Unihockeylegende A. Capatt (18 NLA-Saisons, vier Meistertitel, unzählige Natispiele) schlagen? Ganz ordentlich, so durfte der geneigte Kenner nach dem ersten Drittel konstatieren. Mit nur zwei Toren Rückstand nahm das Fanionteam den zweiten Abschnitt in Angriff und noch besser: Dieselbe Ausgangslage, welche vor zwei Jahren gegen den damaligen Ligakrösus UHCevi Gossau noch zum Absturz führte, gereichte dem UHC Elgg in diesem Jahr zu ungeahnten Höhenflügen. Von Minute zu Minute wurde die Defensive der Altherren durchsichtiger, deren Laufwege kürzer und das Toreschiessen entsprechend einfacher. Der Gastgeber konnte während seiner besten Phase zwischen der 25. bis 35. Minute das ganzes Potential an Technik, Kondition und Übersicht ausspielen. Mit dem 8:8 Ausgleichstor durch Captain M. Büchi kippte das Momentum vollends auf Seiten der Heimmannschaft. Wenn auch in den Reihen des UHC Elgg durchaus einige Spieler keine Kinder von Traurigkeit sind, so zeichneten sich beim Cazner Teamcaptain A. Capatt (analog zu den jeweiligen Unmutsbekundungen der Schweizer Überfigur M. Hofbauer) in besagter Phase doch gewisse ”narrative Tendenzen” ab. Eine Unsitte, welche im fortgeschrittenen Alter scheinbar nicht der mediativen Hingabe zu weichen scheint. Zu Treicheln, Händeklatschen und kanonartigen Fangesängen machte sich der Herausforderer ergo auf, wollte dem Favoriten mehr als nur eine unangenehme Hürde sein und… sah sich in den Folgeminuten scheitern. Mangelnde Effizienz, inkonsequentes Backchecking in der Defensive in Verbindung mit der souverän vorgetragenen Konterstärke der Bündner sorgten für vier rasche Tore. Die Moral, eine Powerplay-Quote von 100% und der schiere Wille beliessen durchaus noch Raum für ein erneutes Aufbäumen bzw. dem Herankommen auf ein Tor Unterschied, schürten im Endeffekt aber keine grossen Zweifel mehr am Sieger der Partie. Beim Stand von 14:16 wurde nochmals der Torhüter aus seinem Kasten geholt, doch nützte alles nichts.

Den ganz grossen Wurf vertagt

Mit einigem Abstand auf das Geschehen, der erfolgten Auswertung aller Statistiken sowie bereinigtem, weil nüchtern-emotionslosem Blick bleibt die Erkenntnis, dass der UHC Elgg vorne mitmischen kann. Möchte er nächstes Jahr an allenfalls gleicher Stelle nicht nur gefällig mitspielen, müssen die arrivierten Leistungsträger in den entscheidenden Momenten allerdings auch bessere Scoringwerte abliefern. Mit Ausnahme von D. Leuzinger (zu Recht zum besten Spieler der Partie gewählt) erfüllten zu viele Stammkräfte die punktemässigen Erwartungen nicht ganz. Ein ärgerlicher Umstand, welcher gegen ein abschnittsweise erschreckend dürftig aufspielendes Cazis umso nachhaltiger in Erinnerung bleibt. Deren Leistungsträger um J. Hartmann und A. Capatt spielten auf gewohntem Niveau, schossen wichtige Tore und verströmten generell Unruhe in den gegnerischen Reihen. Ihre ebenfalls vielgerühmten Teamkameraden blieben auswärts aber vieles schuldig und kamen über das Prädikat ”Mitläufer” nicht hinaus. Dies hätte das Team um Coach M. Hux ausnutzen dürfen, ja müssen. An gleicher Stelle erwies sich aber auch die die mangelnde Routine gepaart mit taktischer Unruhe als zu grosse Hypothek. Allzu häufig blieb eine gute Chance seitens der Elgger ungenutzt und konnten die Blau-Gelben im Gegenzug – so spekulativ deren Verteidiger auch zu Werke gingen – ungestört einnetzen.

Aus dem Dorf für das Dorf

Unter garstigen, weil nasskalten Bedingungen pilgerten über hundert ZuschauerInnen in die Elgger Ritschberghalle und sorgten für eine atemberaubende Stimmung. Bisweilen gingen die Interventionen des Schiedsrichters in den Treichelklängen und Fanbekundungen richtiggehend unter. Der alterwürdige Ritschberg-Hexenkessel platzte angesichts des zu erwartenden Andranges aus allen (bereits gering bemessenen) Nähten. Gerne wäre man in eine grössere Spielstätte ausgewichen, um allen Sponsoren, Nachwuchskräften und Eltern sowie zugewandten Orten freie Sicht auf das Spektakel zu bieten – wollte gleichzeitig die Kirche aber auch im Dorf belassen. Einige unentwegte Schaulustige beobachteten die Partie gar von der Spielwiese aus durch die weite Fensterfront. Diese lautstarke, mit Recht parteiische sowie spektakuläre Atmosphäre sei von Seiten des Unihockeyvereins respektive der ersten Herren-Mannschaft ganz herzlich verdankt! Die Anwesenheit der zahlreichen Junioren, Eltern, Veteranen und Fachfremden ehrt und macht Mut für die Zukunft. Ein spezieller Dank sodann abschliessend an Hallenchef S. Schild für die reibungslose Organisation des Cupspektakels im Vorfeld sowie Schiedsrichter R. Senn für die gelassene Moderation der teilweise arg gesprächsbedürftigen Spieler beider Seiten.

Für die Heimat: Diego Mörgeli